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19.06.2026, 08.40 - 09.10 Uhr | WDR Fernsehen

Monitor: Arm sollst du bleiben? Das Los der Herkunft

Ein Film von Lisa Seemann und Mareike Wilms

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"Meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich" - dieses Aufstiegsversprechen hat die deutsche Gesellschaft lange geprägt und zusammengehalten. Doch mittlerweile zeigt sich: In kaum einem Industrieland ist es mittlerweile so schwierig, sozial aufzusteigen.

In der MONITOR-Dokumentation "Arm sollst du bleiben? Das Los der Herkunft" zeigen die Autorinnen Lisa Seemann und Mareike Wilms, wie Chancenungleichheit in Deutschland in den letzten Jahrzehnten systematisch verfestigt wurde und so den sozialen Frieden im Land gefährdet. Dafür schaut der Film an verschiedenen Punkten eines Lebens tiefer hin. Er beginnt in einer Geburtsstation mit der Frage, wie sehr die Zukunftschancen eines Menschen schon bei der Geburt vorbestimmt sind. Denn Armut und Ungleichheit, das zeigen Studien, sind vor allem eines: erblich.

Das zeigt sich auch an einer Gesamtschule in einem von hoher Arbeitslosigkeit geprägten Stadtteil Kölns: Hier werden junge Menschen dabei unterstützt, einen Schulabschluss zu machen, mit dem sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen können. Das bedeutet auch: Brote schmieren für Kinder, die kein Frühstück mitbekommen. Oder Hilfe für jene, deren Noten durch die Nebenjobs leiden, mit denen sie sich das fehlende Taschengeld erarbeiten. Am Ende der Schulzeit stehen Schülerinnen und Schüler vor dem nächsten Wendepunkt eines typischen Lebens.

Wie sehr Chancenungleichheit über Generationen vererbt wird, wird an einer Rentnerin im Münsterland deutlich, die die Autorinnen begleitet haben. Sie wurde in eine arme Familie hinein geboren, hat ihr Leben lang Angehörige bis in den Tod gepflegt - nun macht sie sich angesichts einer Mini-Rente Sorgen darum, mit ihrer Beerdigung anderen zur Last zu fallen. Sie will, dass ihre Enkel es einmal besser haben als sie selbst.

Der Film trifft aber auch einen, der es geschafft hat, das "Los der Herkunft" zu überwinden. Der gefeierte Sternekoch Tim Raue wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Berlin-Kreuzberg auf und sagt: "Ich weiß, was Hunger bedeutet." Jetzt kocht er für die Reichen und Bekannten der Hauptstadt. Die Autorinnen konnten mit ihm in jene Welt zurückkehren, die er mit viel Fleiß und Glück hinter sich gelassen hat. Raue sagt: "Da können wir doch nicht eine Sekunde drüber diskutieren, dass wir allen eine Möglichkeit geben, einen gleichen Start ins Leben zu haben."

Führende Expertinnen und Experten wie Aladin El-Mafaalani ordnen die Erkenntnisse wissenschaftlich ein und zeigen auch, was daraus folgt, wenn einer Gesellschaft das Aufstiegsversprechen abhandenkommt. Denn aus verfestigter Ungleichheit wird Frust - und dieser führt dazu, dass Menschen sich von der Politik abwenden. So wird die wachsende soziale Spaltung zur Gefahr für die Demokratie.